Auf der Suche nach den Dreiecken im Viertel

Ein Gastbeitrag von Ann Ya

 

Unterwegs im WRG. Es war an einem Sonntag im November 2013. Diesen Sonntagnachmittag hatte ich für meine Suche eingeplant. Ich wollte versuchen, sie alle zu sehen. Alle Dreiecke aus der Hand eines unbekannten Sprayers im WRG.  WRG? Ach so, ja, für alle Nicht-Braunschweiger - zu denen ich bis 1989 auch noch gehörte – gemeint ist das Westliche Ring Gebiet...Mehr lesen über diese Kult-Tour!

Dieser Stadtteil, den ich liebevoll meine „Bronxx“ nenne. Mit Doppel-X, denn es ist nicht immer einfach hier in diesem so genannten 'sozialen Brennpunkt'. Aber hier wohnen auch ziemlich viele kreative Menschen. Menschen, die ihr künstlerisches Potenzial leben müssen. Es führt kein Weg drum herum. Auch nicht um diese Dreiecke, die mich seit ein paar Wochen von überall her in unserem Viertel anlächeln oder anweinen.
Wieder andere sehen eher still, verhalten, ruhig oder mürrisch aus, jedoch nie emotionslos.
Diese kleinen Kerlchen waren ganz plötzlich da. Einfach da, einfach mal eben mit ganz viel Liebe – so scheint es – an Hauswände, Einfahrten und andere freie Flächen gesprüht. In gelb, in grün, in rosa, in schwarz und in blau.
Ein Dreieck mit Gesicht, mit ein oder zwei Beinen, einem Auge und meistens hat es auch einen Heiligenschein dabei. Es sieht aus wie ein kleines Männchen, das sich mit seiner jeweiligen Gefühlslage geradewegs an die Hauswand gesetzt oder gestellt hat und da abgeholt werden möchte. Ich muss immer lächeln, wenn ich eines von ihnen sehe und mir wird ganz warm ums Herz.
Mein allererstes Dreieck ist mir hier um die Ecke auf dem Frankfurter Platz am Haus eines Versicherungsbüros begegnet. Es war grün ausgesprüht und lächelte. Als ich aus dem Bus an der Haltestelle gegenüber ausstieg, hielt ich es für einen verfrühten Weihnachtsbaum. Das zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht. Endlich ein cooles Weihnachtsgraffiti. Näher gekommen, entpuppte es sich als eines dieser dreieckigen Kerlchen.
Eigentlich sind solche Sprayerbildchen an Hauswänden gerne etwas schmuddelig, absolut illegal und sie haben manchmal weniger zauberhafte Botschaften für uns. Diesmal ist es anders. Hier ist irgendwie Liebe mit drin, man kann ihnen nicht böse sein. Im Gegenteil, ich suche förmlich nach ihnen auf dem Weg durch die „Bronxx“. Ich möchte, dass sie mich niedlich anlächeln oder angrummeln.

Sie machen mir den Tag.
Und wo sie nicht überall stehen oder sitzen…
Das habe ich versucht heraus zu finden an diesem Sonntagnachmittag im November. In einer guten Stunde habe ich im WRG zwanzig Dreiecke gefunden und fotografiert. Viele waren gut sichtbar, einige ganz schön versteckt und immer wieder einzigartig. Ob ich sie alle gefunden habe? Ich weiß es nicht.
Ich hoffe.
Was ich leider nie wissen werde: Wer hat diese wundervollen Dreiecke erfunden und gesprayt? Wer hat mir und vielen anderen damit den Tag gemacht?
Was ich jedoch ganz sicher weiß: Ich finde meine „Bronxx“ jetzt wieder ein bisschen schöner, heimeliger und bunter. Und darum: Danke von Herzen an den kreativen Menschen, der sein Potenzial leben musste, weil kein Weg drum herum führte. Im WRG.

Fotos: Ann Ya

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